Sebastian von Bomhard über das SDC Rechenzentrum und die Idee dahinter

München, 30. Oktober 2018. Die SDC SpaceNet Datacenter GmbH & Co. KG baut in Kirchheim bei München eines der modernsten Rechenzentren Europas. Wir haben mit Sebastian von Bomhard, Geschäftsführer des SDC Datacenters und Vorstand der SpaceNet AG, über das geplante Rechenzentrum gesprochen.

Interview Geschäftsführer Rechenzentrum Bomhard

Herr von Bomhard, was war die Idee hinter dem Rechenzentrumsneubau in Kirchheim?

Wir von SpaceNet haben uns den Wahlspruch gegeben: Wir erden die Cloud. Als Internetprovider der ersten Stunde hatten wir schon immer großen Bedarf an Rechenzentrumsflächen. Irgendwo muss man ja die Rechner hinstellen, um die Cloud zu erden. Der Platz bei SpaceNet geht zur Neige und wir brauchen einen weiteren Ort wo wir unsere Server hinstellen können. Daher steht eine Erweiterung an. Dieses Mal haben wir einen besonders ehrgeizigen technischen Plan: Wir wollen das modernste Rechenzentrum in Europa bauen.

Dazu haben Sie die Tochtergesellschaft, die SDC SpaceNet Datacenter GmbH & Co. KG gegründet. Warum haben Sie dafür ein eigenes Unternehmen gegründet und was kann das SDC Datacenter, was die SpaceNet AG nicht kann?

Das ist leicht zu beantworten. Eine eigene Tochtergesellschaft war deshalb die ideale Lösung, weil wir überall da, wo wir sind und produzieren, auch Steuern bezahlen wollen. Das heißt, in Kirchheim wird das Rechenzentrum sein und dort ist auch die Firma eingetragen, die das Rechenzentrum betreibt. Die Services werden weiterhin von SpaceNet geliefert und SpaceNet sitzt eben innerhalb der Stadtgrenze Münchens und zahlt ihre Steuern weiterhin in München. Damit kann das ideal getrennt werden. So ist dann auch die Arbeitsaufteilung zwischen der SpaceNet und des SDC Datacenters geplant. Die SDC wird ausschließlich Hosting liefern und die SpaceNet liefert alles rund ums Hosting, wie bisher auch. Und so kann sich die SDC voll und ganz auf ihre Aufgabe als Hoster konzentrieren.

Was ist das Besondere am SDC-Rechenzentrum?

Wir planen einen sensationellen PUE von besser als 1,2 herzustellen. PUE ist die Power Usage Effectiveness, definiert als der Quotient aus der Stromaufnahme für IT-Zwecke, dividiert durch die Gesamtstromaufnahme. Nach der Definition ist der PUE-Wert also eine Zahl, die rein mathematisch nie kleiner werden kann als 1. 1,2 ist schon sehr sportlich. Noch vor wenigen Jahren war bis zu 4,0 ein Wert, der niemanden erschreckt hat. Je höher der Wert, desto höher der zusätzliche Stromverbrauch.

Gibt es irgendeine neue Technologie im SDC Datacenter, die noch nie da war?

Also eine Technologie, die noch nie da war, gibt es nicht. Aber die Kombination, wie wir sie einsetzen, ist einzigartig. Ich war vor kurzem in China und habe vor einer Moschee gesehen, dass der Platz, wo die Gläubigen sich vor dem Gebet versammeln, bevor sie in die Moschee gehen, mit Wassernebel besprüht wurde. Das kühlt ungemein. Diese „Technik“ nutzten auch schon die Araber schon vor hunderten von Jahren. Im Rechenzentrum geht das auch. Nur kann man da nicht die Rechner mit Wasser bespritzen, dass wäre nicht sehr zielführend. Aber man kann ausnutzen, dass an heißen Tag ein Luftnebel mit relativ wenig Energieeinsatz für sehr viel Kühlung sorgt. Das ist jetzt nur ein Teil unseres Kühlkonzepts. Es geht natürlich weiter, aber mit nur einer einzigen Technik wird man es nicht schaffen, einen so niedrigen PUE zu erreichen. Diese Methode ist allerdings ein Kern unseres Konzeptes, die sogenannte adiabatische Kühlung.

Und wie sieht es im Bereich Sicherheit aus?

Nun, ein unsicheres Rechenzentrum zu bauen ist in Deutschland keine gute Idee, denn wir können nur im Qualitätssegment international bestehen. Unsichere günstige Rechenzentren gibt es auf der ganzen Welt genug. Die Sicherheit wird sich natürlich in vielen Ebenen abspielen. Es muss eine physische Sicherheit da sein. Wir arbeiten hier bis hin zu LKW-Sperren, damit nicht ein mit Sprengstoff beladener LKW unters Rechenzentrum fährt und das ganze Rechenzentrum in die Luft sprengt. Unters Rechenzentrum schon mal erst recht nicht, weil aus Sicherheitsgründen das Gebäude nicht mal unterkellert ist. Dazu gibt es Zäune, Überwachungsanlagen usw. Es gilt das Zwiebelschalen Prinzip. Wir nennen es so, weil immer mehr Hüllen der Verletzlichkeit gibt, die eine nach der anderen überwunden werden müssen und die eine nach der anderen einen noch lauteren Alarm auslösen würden. Also die physische Sicherheit ist da. Die IT-Sicherheit hingegen, dass mag vielleicht den ein oder anderen verwundern, ist nicht die Aufgabe der SDC, sondern ist Aufgabe der Installation in der SDC. Das kann, wie vorher schon erwähnt, von der SpaceNet geliefert werden, aber genauso auch von unseren Wettbewerbern. Zur Sicherheit gehört natürlich auch die Ausfallsicherheit. Da haben wir die Verfügbarkeitsklasse vier im Blick. Das ist die höchste Verfügbarkeitsklasse, was bedeutet: Es ist nicht nur alles einmal redundant vorhanden. Sondern sogar während Wartungsarbeiten ist damit jederzeit Redundanz gegeben, was dem Ausfall einzelner Komponenten den Schrecken nimmt.

Was kann ich denn jetzt als Verbraucher tun, um zu erkennen ob diese Sicherheit auch wirklich geliefert wird?

Der normale Verbraucher hat eigentlich keine Möglichkeit, Sicherheitskonzepte wirklich zu durchleuchten, auch nicht die Redundanzen, von denen ich gerade gesprochen habe. Aber dafür gibt es Normen auf dem Markt. Die SDC zertifiziert sowohl nach der ISO 27001 als auch nach der hier vielleicht noch wichtigeren Norm EN 50600 VK 4. Das ist die Euro Norm für Rechenzentren. Ich finde diese Norm sehr ausgereift. Sie greift tief ein in die Konstruktion eines Rechenzentrums. Hinter VK 4 verbirgt sich die Verfügbarkeitsklasse. Also wenn ein Rechenzentrum mit der EN 50600 zertifiziert ist und das auch von einem anerkannten Zertifizierer (das spielt auf jeden Fall auch eine entscheidende Rolle, wir haben uns hier für den TÜV SÜD entschieden), dann ist es für den IT-Entscheider ein gutes Zeichen und er kann sich sicher sein, dass dieses Rechenzentrum seine Versprechen auch einhalten wird.

Warum bauen Sie in Deutschland?

Zum einen sind wir nun mal eine Firma mit Sitz in Bayern. Das heißt: Wenn wir mit unserem Technikern Services in einem Rechenzentrum erbringen wollen oder auch nur die Qualität sichern, dann können wir uns keine 1000 km lange Anreise leisten. Ein weiterer Grund ist das Thema Datenschutz. Viele Firmen müssen heutzutage die Frage beantworten können wo Ihre Daten gespeichert sind. Gerade Cloud-Lösungen neigen ja dazu, dass man diese Frage gar nicht mehr beantworten kann. Obwohl man sie unbedingt beantwortet können muss meiner Meinung nach. Da bietet es sich natürlich an ein Rechenzentrum zu haben, dass den direkten Zugriff aus dem Ausland garantiert unterbinden kann.

Ist das SDC Datacenter mit ihren restlichen Rechenzentren vernetzt?

Ja, dass ist der große Vorteil der SDC Datacenter GmbH & Co. KG. Die SpaceNet ist ja bereits seit 25 Jahren im Geschäft. Deswegen sind wir nicht nur Hoster und nicht nur Rechenzentrumsbetreiber. Wir sind natürlich auch unverändert jemand, der Leitungen zur Verfügung stellt und zwar mit wirklich ordentlich Bandbreite. Wenn andere Menschen von Breitband sprechen und dann etwas im Bereich von 100 Megabit meinen, ist das für uns keine richtige Bandbreitanbindung. Die beginnt frühestens bei einem Gigabit. Wenn ein Kunde zum Beispiel zwei Brandabschnitte braucht, die möglicherweise nicht mal auf dem gleichen Grundstück liegen, können wir mit dieser Bandbreite wirklich sehr sicher seine Infrastruktur betreiben. Und wenn wir schon dabei sind, können wir natürlich auch dem Kunden 10 Gigabit nach Hause liefern. So kann er seine on-premise Anwendungen prima mit seinen Rechenzentrumslösungen vernetzen. Manchmal erreicht er diese bei uns sogar schneller als die in seinem eigenen Keller. Das hängt natürlich von seiner internen Infrastruktur ab.

Vielen Dank für das Gespräch Herr von Bomhard